Glossar‎ > ‎

Kompromisslertum der Reformliga

Anfang 1866 begannen die bürgerlichen Elemente im Vorstand der Reformliga das Übergewicht zu erlangen. Das lag weitgehend an der Haltung einer Reihe britischer Zentralratsmitglieder, deren opportunistische Tendenzen Anfang 1866, als Marx für mehrere Monate wenig an der Arbeit des Zentralrats teilnehmen konnte, in den Vordergrund traten, was nicht ohne Rückwirkungen auf die Liga geblieben war. Die Monate von Januar bis Juni 1866 waren eine Zeit des schrittweisen Übergangs der Mehrheit der leitenden Funktionäre der Reformliga zu Kompromissen mit der liberalen Bourgeoisie.

Am 12. März 1866 hatte der Schatzkanzler Gladstone, der 1865 die Führung der liberalen Partei übernommen hatte, der liberalen Regierung Russell im Unterhaus einen Gesetzentwurf (Bill) über die Wahlrechtsreform eingereicht. Die Bill sah eine nur sehr geringe Herabsetzung des Wahlzensus vor. Nur ein winziger Teil der Arbeiter hätte das Stimmrecht erhalten. Die Bill blieb nicht nur hinter dem household suffrage (Wahlrecht für Hausbesitzer und Hausvermieter) zurück, sondern auch hinter allen seit 1848 von liberalen Regierungen eingebrachten Vorlagen. Es kam zu heftigen Debatten im Vorstand der Reformliga. Einer von George Odger vorgeschlagenen Kompromissresolution, die besagte, der Vorstand beharre auf manhood suffrage (Wahlrecht für die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung) und protestiere gegen die unbefriedigenden Bestimmungen der Bill, erachte es aber als seine Pflicht, die Regierung zu unterstützen, damit die Bill Gesetz werde, stimmten bis auf 5 Personen alle Anwesenden zu, unter ihnen auch George Howell und William R. Cremer.

Es gelang dem Vorstand nicht, die Arbeitermassen dafür zu begeistern. Der Einfluss der Liga ging zurück. [MEW 31, Anm. 247]

Kommentare