Die
„Regierung der nationalen Verteidigung“ wurde in Paris am 16.
September 1870 nach der Niederlage und Gefangennahme Kaiser Napoleons
III.
durch die Deutschen gebildet. Das Parlament hatte Napoleon für
abgesetzt erklärt. Diese Regierung war die Regierung der Pariser
Bourgeoisie. Sie sollte den von Napoleon begonnenen und tatsächlich
schon verlorenen Krieg gegen Deutschland fortsetzen und Paris sowie
das ganze Land gegen die vordringende deutsche Armee verteidigen. Zu
derselben Zeit wuchs aber die Bewegung des Pariser Proletariats, die
der Regierung gefährlicher erschien als die deutschen Armeen, die
schon im September 1870 begonnen hatten, Paris zu belagern. Um die
Arbeiterbewegung niederzuwerfen, beschloss die „Regierung der
nationalen Verteidigung“, Paris den Deutschen zu übergeben. Darum
wurden alle Verteidigungsmaßnahmen nur zur Augenauswischerei
vorgenommen. So wurde aus der Regierung der nationalen Verteidigung
eine Regierung des nationalen Verrats. Das Ergebnis dieser
„Verteidigung“ von Paris war schließlich, am 9. Februar 1871,
die Kapitulation unter schimpflichen Bedingungen. Die Deutschen
besetzten auf Grund dieser Bedingungen einen Teil der Außenfestungen
von Paris. Dadurch wurde der französischen Bourgeoisie die
Niederwerfung der Pariser
Kommune
außerordentlich erleichtert. [Ausgewählte Werke, Band 2] Über
die Lehren der Pariser
Kommune
sagte Lenin
später in einer Rede auf einem internationalen Meeting in Genf am
18. März 1908 zum Jahrestag der Pariser Kommune: „Jedoch
vernichteten zwei Fehler die Früchte des glänzenden Sieges. Das
Proletariat blieb auf halbem Wege stehen: statt die ,Expropriation
der Expropriateure' in Angriff zu nehmen, gab es sich Träumen hin
über die Verwirklichung der höchsten Gerechtigkeit in einem durch
die gesamt-nationale Aufgabe geeinigten Lande. Solche Einrichtungen
z. B„ wie die Bank, wurden nicht in Besitz genommen, die
proudhonistischen Theorien des ,gerechten Austausches' usw.
herrschten noch unter den Sozialisten. Der zweite Fehler war der
übermäßige Großmut des Proletariats: es hätte seine Feinde
vernichten sollen, statt dessen aber bemühte es sich, sie moralisch
zu beeinflussen; es missachtete die Bedeutung rein militärischer
Aktionen im Bürgerkrieg, und anstatt seinen Pariser Sieg durch eine
energische Offensive gegen Versailles zu krönen, zögerte es und gab
so der Versailler Regierung Zeit, die finsteren Kräfte zu sammeln
und zu der blutigen Maiwoche zu rüsten“ („Die
Lehren der Kommune“). [Lenin, Ausgewählte Werke, Band 3, Anm. 8] Es handelt sich hier um die Pariser Kommune, die vom Proletariat am 18. März 1871 proklamiert wurde und am 28. Mai desselben Jahres fiel. Marx und Engels betrachteten die Pariser Kommune als den ersten Versuch der Aufrichtung der Diktatur des Proletariats. Unglücklicherweise war das Proletariat Frankreichs damals noch nicht genügend organisiert, es besaß keine eigene politische Partei, die Arbeiter von Paris vertrauten die Führung Leuten verschiedener Richtungen an. Auch stellte das Pariser Proletariat nicht das notwendige Bündnis mit der Bauernschaft her. Besonders verderblich war für die Kommune die Tatsache, dass sie sich nicht mit der genügenden revolutionären Entschlossenheit wappnete und z. B. die Bank von Frankreich mit den in ihr verwahrten Schätzen und Werten ihrer Feinde nicht beschlagnahmte; im Kampfe gegen die Bourgeoisie, die nach Versailles floh, war die Kommune ebenfalls unentschlossen und versäumte den günstigen Augenblick für die Niederwerfung von Versailles, solange die Bourgeoisie noch nicht ihre Kräfte zum Schutze von Versailles, und zur Niederwerfung der Kommune selbst zusammengezogen halte. Die bürgerliche Regierung unter dem Vorsitz von Thiers, die sich in Versailles befand, konnte eine Armee zum Kampfe gegen das revolutionäre Paris organisieren und mit Hilfe der deutschen Armee, die eben noch ihr Feind gewesen war, mit der Kommune blutig abrechnen. Am 28. Mai 1871 fiel die letzte Barrikade der Kommunarden. Die Erfahrung der Pariser Kommune wurde vom russischen Proletariat und seiner revolutionären Partei, den Bolschewiki, verwertet. [Lenin, Ausgewählte Werke, Band 6, Anm. 70] Pariser Kommune: Nach den Niederlagen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde in Paris eine Nationalgarde geschaffen. Nach dem Waffenstillstand mit Deutschland sah die französische Regierung in ihr eine Bedrohung und versuchte, ihr die Waffen, zunächst am 18. März die Kanonen, abzunehmen. Das führte zum Überlaufen regulärer Truppen zur Nationalgarde, zur Festnahme und Exekution zweier reaktionärer Generäle und dem Flucht der Regierung nach Versailles – und damit dem Beginn der Pariser Kommune. Am 26. März fand die Wahl zur Kommune (Gemeinderat) von Paris statt. Die Kommune war die erste Arbeiterregierung und setzte wichtige Prinzipien wie jederzeitige Abwählbarkeit und Arbeiterlohn für ihre Vertreter um. Sie ergriff verschiedene demokratische und soziale Maßnahmen, scheute aber vor wichtigen Maßnahmen zur Festigung der revolutionären Macht zurück. Am 21. Mai begann die gewaltsame Rückeroberung von Paris und ein Blutbad unter der Pariser Bevölkerung (Blutwoche mit 30.000 Toten), die die Kommune im Blut ertränkten. |
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